Rutger Macklean

Agrarreformen und die neue Schule

Die landwirtschaftliche Revolution im 18. Jahrhundert ist eine der wenigen radikalen Veränderungen der schwedischen Gesellschaft und der Lebensbedingungen der Menschen. Diese Reform wurde auf Svaneholm in Schonen 1783 von Freiherr Rutger Macklean und seinem Mithelfer, dem Landmesser Carl Gideon Wahlman, eingeleitet.

Die Reform war keine landwirtschaftliche Reform. Sie revolutionierte die gesamte schwedische Gesellschaft sozial, ökonomisch, politisch und kulturell.

Das Beispiel von Macklean, das Gut Svaneholm (Gemeinde Skurup) umfasste, wurde zum Gesetz in Schonen 1803 und für ganz Schweden 1827. Die Reform hatte ausschlaggebende Bedeutung für die Entwicklung der heutigen Gesellschaft:

Wegen der Rationalisierung des urbaren Landes und der Einführung der Geldwirtschaft, war die Reform eine direkte Voraussetzung für die industrielle Revolution. Die Abwanderung aus den Dorfgemeinden ließ allmählich Interessenverbände wie z.B. Freikirchen und Antialkoholikerorganisationen entstehen und führte teilweise auch zum Aufkommen der Arbeiterklasse. Jene Änderungen führten auch zur Auswanderung nach den USA sowie zu neuen, unabhängigeren Formen Lokalpolitik und demokratischen Anschauungen.

Auf Svaneholm geschah eine durch die Reform eine Neueinteilung des Landes. Im Auftrag von Macklean  verwandelte man ungefähr 2 000 Parzellen in 74 Bauernhöfe, jedes mit zusammenhängenden Bodenflächen. Die alten Dorfgemeinden wurden aufgelöst, und die vierreihigen Höfe in den Dörfern des Kreises Skurup wurden abgerissen. Auf den neuen Gehöften wurden stattdessen dreireihige Gebäude nach Mackleans Anweisungen errichtet, d.h. Häuser mit Strohdächern und mit Mauerwerk aus mit Stroh gemischtem Lehm. Dazu kamen neue Saaten und neue Anbauarten. Eine Neuigkeit bestand in der Entdeckung, daß Hülsenfrüchte Stickstoff in der Erde binden können. Der Anbau von Klee, Wicke und Erbsen gab deshalb der Saat des kommenden Jahres Nährstoffe.

Macklean erfand auch eine neue Art Pflug, der die Arbeit am Pflug sehr erleichterte.  Der Prototyp wird heute im Schloßmuseum gezeigt.

Die sogenannte Wechselwirtschaft i Skurup war streng im Pachtvertrag verankert. Der Inhalt war juridisch bindend für den Pächter. Folgt er nicht dem Vertrag, "würde er sofort von seinem Hof vertrieben.".

Eine wichtige Voraussetzung für die Reform bestand in der Abschaffung der Tageswerkspflicht der Bauern gegenüber dem Gutsbesitzer. Die Bezahlung für die Pacht sollte von da an in Bargeld erfolgen. Um den Wechsel zur Geldwirtschaft zu erleichtern, bewilligte König Gustaf III. den Bauern von Svaneholm 15 Jahre Steuerfreiheit. Macklean selbst gewährte ihnen fünf Jahre freie Pacht.

Rutger Macklean schreibt in der Einleitung seines "Lehrbuches für die Landwirtschaft der Gemeinde Skurup" (gedruckt 1845, Neuauflage 1985) die folgende These "Die Landwirtschaft ist die Quelle des persönlichen und allgemeinen Wohlstandes".

 

Die neue Schule

Macklean meinte: Um in der Lage zu sein, eine Gesellschaft mit avancierter Technik, Geldwirtschaft und einer neuen sozialen Ordnung zu schaffen, müssen die Menschen Freiheit haben, um sich entwickeln und neue Kenntnisse erwerben zu können. Deshalb müssen sie vor allem lesen und schreiben können.

In der Schweiz war zu dieser Zeit ein Mann namens Heinrich Pestalozzi tätig, wegweisend für die damalige Pädagogik. Pestalozzi meinte, daß jedes Kind gefördert werden sollte, um die Tatsachen über Ursache und Kontext zu wissen und in seiner Suche nach Wissen unabhängig zu sein.: "Kinder sollen messen, rechnen und sich durch Kenntnisse geborgen und damit selbstständig fühlen ".

Rutger Macklean war sehr an dieser Pädagogik interessiert. Zusammen mit zwei anderen schonischen Gutsbesitzern, Otto Ramel und Jakob de la Gardie, schickte er einen Studenten in die Schweiz und bekostete dessen Studien während einem Jahr. Als er wieder nach hause kam, errichtete man zwei Schulen auf  dem Gut Svaneholm, eine im Dorf Skurup (1793) und eine im Dorf Sandåkra (1795). Dies geschah mit anderen Worten fast ein halbes Jahrhundert vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Schweden1842.

Im  Zusammenhang mit der Schulreform leitete Macklean auch die Schutzimpfung gegen Pocken ein.  Die Methode kam aus England 1798 und wurde hier von 1804 verwendet.  Die erste obligatorische Schutzimpfung der Schulkinder erfolgt in Skurup.  Der "Doktor" war der Küster der Gemeinde Christian Friis, ehemaliger Gärtner am Schloß Svaneholm. 

 

 

Über Macklean

Wer war der Mann, der die Agrarreform und die neue Schule in Schweden einleitete?

Rutger Macklean wurde am 27. Juli 1742 auf Ströms Gut in der Gemeinde Hjärtum in Bohuslän geboren.

Seine Vorfahren waren im 17. Jahrhundert von Holland eingewandert, als der schwedische König Gustaf II Adolf (1597 - 1632) die Stadt Göteborg gründete. Der Familienname war damals Mackeleir. Im Zusammenhang mit  dem Adel während der Zeit der Aufklärung wurde die Schreibweise durch Mackleir ersetzt. Die Familie wurde geadelt und während der anglosächsischen vorromantischen Epoche in den freiherrlichen Stand erhoben. Der Name wurde jetzt durch Macklean ersetzt. Früher nahm man fälschlicherweise an, daß die Familie schottischen Ursprung habe.

Rutgers Familienname war Mackleir bis 1783, ein Jahr, nachdem er Svaneholms Schloß von seinem Onkel Gustaf Adolf Coyet übernommen hatte.  Seine Großmutter war eine Tochter von Rutger von Ascheberg, einer der Vertrauensmänner von König Carl XI. und Besitzer von Ströms Gut.  Sein Vater, Rutger Mackleir, war einer der Karoliner von Carl XII., dem König  von Holofzin, Poltava und Tobolsk. Die Mutter hieß Vilhelmina Eleonora Coyet.

Macklean studierte Rechtswissenschaft and der Universität Lund. Danach war er beim Oberlandesgericht in Jönköping angestellt und dann als Militär bei den Regimenten von Jämtland und Kalmar. Als Offizier wurde er zum Hofdienst bei Prinzessin Sofia Albertina und später bei der Königin von Gustaf III., Sofia Magdalena, befördert. Er verblieb in diesem Hofdienst bis zu seiner Übernahme von Svaneholm.

Rutger Macklean war ein Kind der Epoche der Aufklärung. Politisch gesehen war er linksradikal. Sowie ein großer Teil des schwedischen Hochadels zu jener Zeit stand er den französischen Jakobinern nahe. Er war ein Teil der Opposition gegen Gustaf III. am Reichstag von 1789. Drei Jahre später verbarg sein Bruder Gustaf einen der Mörder des Königs auf seinem Gut Brodda, in der Nähe von Svaneholm. Rutgers eventuelle Mittäterschaft wurde nie bewiesen.

 

Literatur

Man empfiehlt von der älteren Literatur über Rutger Macklean  Professor Alf Åberegs Buch "När byarna sprängdes" (1953). Neuere Forschung stammt von Landschaftsarchitekt Göran Johnson betreffend Macklean und die Einführung des englischen Parks in Schweden (1989) und von dem Historiker P G Andersson betreffend Macklean und dessen Landvermesser Carl Gideon Wahlman (1992).

In der Zeit von 1990 -19 93 drehte das Schwedische Fernsehen in Malmö einen Film über "Macklean". Er wurde von den Movie Makers nach dem Manuskript von Per Lysander und in der Regie von Ragnar Lyth gedreht.

 

Der obige Text ist eine Zusammenfassung des Textes von Eric Mårtenssons über "Rutger Macklean – Über die große Agrarreform und die neue Schule" im Jahrbuch von 997 von Svaneholm. Das Jahrbuch wird vom Denkmal- und Heimatverein des Kreises Vemmenhög herausgegeben. Es ist genau wie andere Literatur über Macklean im Museumladen von Svaneholm käuflich.

 

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